Die Zwiefachen

"Die Zwiefachen" wurden 1999 auf Initiative von Uta Plate gegründet. Damals warb Uta Plate in betreuten Jugendwohnprojekten für eine Theatergruppe. Viele Jugendliche kamen mit, einige blieben, "Die Zwiefachen" waren geboren. Und mit ihnen der Wunsch, etwas zu erzählen, was ihnen nahe ist. Die Theaterarbeit an der Berliner Schaubühne gibt ihnen die Bühne als Plattform, dies auszudrücken. Kein Casting bestimmt die Aufnahme, sondern allen gemeinsam ist eine Biografie, geprägt von Rückschlägen und wenig Unterstützung.

Die Arbeit reicht von Tanz bis Gesang, von Schreiben bis Improvisieren und bietet ihnen Chancen und Möglichkeiten, die sie bisher selten hatten. Es geht darum, den Akteuren Theater als vielschichtiges Ausdrucksmittel zugänglich zu machen, damit sie ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Ideen in Szene setzen und in einem öffentlichen Diskurs verhandeln können. Die Produktionen werden an der Schaubühne und auf nationalen und internationalen Festivals präsentiert.

Uta Plate

Uta Plate wurde 1968 in Schleswig geboren. Kulturpädagogik-Studium an der Universität Hildesheim, im Anschluss Leitung der afrikanisch-deutschen Theatergruppe Rangi Moja. Ihre Publikation "Fremd bleiben" beschreibt die interkulturelle Theaterarbeit (Koautorin Wiebke von Bernstorff, IKO-Verlag, 1997). 1996–99 am Theater Nordhausen Leitung und Regie des Projekts "Theater im Knast" an einer Jugendstrafanstalt. Entwicklung von Theaterstücken sowohl mit Senioren im Altersheim als auch mit Kindern in Asylheimen. Seit der Spielzeit 1999/2000 Theaterpädagogin an der Schaubühne. Hier vermittelt Uta Plate dem Publikum über Workshops und Publikumsgespräche einen inhaltlichen Einstieg in die Inszenierungen und kooperiert mit Schulen. Am Haus leitet sie außerdem das Jugendtheaterprojekt "Die Zwiefachen" für Jugendliche, die aus sozial benachteiligtem Umfeld kommen. Die Stücke werden über Improvisationen, Schreib- und Bewegungsworkshops gemeinsam entwickelt. In einigen internationalen Kooperationen hatten "Die Zwiefachen" die Möglichkeit, mit Jugendlichen aus England, Brasilien und Ungarn zu arbeiten. Im Rahmen des Festivals Contacting The World (Liverpool/2008) konnten sie ihre Kollaboration mit dem Aahoran Theatre aus Nepal präsentieren. Zudem gibt Uta Plate international Theater- und Bewegungsworkshops, u. a. in Santiago de Chile, Beijing, Istanbul, Helsinki, Ramallah und Alexandria (Rumänien). Am BACKA Theater in Göteborg erarbeitete sie Anfang 2013 das Stück "Run For Your Life" mit zehn Jugendlichen und fünf Schauspielern aus Eritrea, Iran, Irak, Marokko und Schweden.

Norbert Ochmann

Norbert Ochmann ist musikalischer Leiter bei "Nach Brundibar" und seit 1995 begeisterter und begeisternder Chorleiter und auch außerhalb der Probenzeiten ein engagiertes Mitglied der Studiosi Cantandi. Nach seiner Kindheit im Ostallgäu und der schulischen Ausbildung im Musikgymnasium der Regensburger Domspatzen begann er 1989 seine musikalische Studienzeit in Berlin, die er als diplomierter Tonmeister, Dirigent und Chorleiter abschloss. Inzwischen ist er Leiter diverser Chöre in und um Berlin, hat das Berliner Bach Consortium gegründet und das Kinderopernprojekt Opera Bambini ins Leben gerufen. Mit Studiosi Cantandi hat Norbert Ochmann in den letzten Jahren große Werke wie Ein deutsches Requiem (Brahms), Die Schöpfung (Haydn), die Matthäuspassion (Bach) oder das Weihnachtsoratorium (Bach) einstudiert und aufgeführt.

Annika Westphal

Ich bin Annika Westphal und bin jetzt 20 Jahre alt. Bei den Dreharbeiten zu "Wiedersehen mit Brundibar" war ich glaub ich ca. 17, 18 und 19, damit hat mich die Auseinandersetzung mit dem Thema Holocaust, Theresienstadt, der Kinderoper "Brundibár" und die Stückentwicklung und die Aufführungen mit den Zwiefachen eine ganze Weile begleitet. Und zwar in einer Zeit, die für mich nicht wirklich leicht war. Insgesamt habe ich vier Jahre bei den Zwiefachen gespielt, das erste Jahr "Parallelen", wo ich z. B. meine Lieblingsrolle von einer Ameise in einer Ameisenkolonie gespielt habe, die die Termiten überfallen wollen. "Theater" mache ich schon immer glaub ich (würde zumindest meine Schwester sagen wenn ich sie fragen würde), so richtig das erste Mal Theater gespielt habe ich mit 8 im Theater des Westens in einem Weihnachtsmusical, und dann kam ich nicht mehr los von der verlockenden Realitätsverzerrung Theater.

Die Erfahrung, so eine Theatergruppe mit den Zwiefachen zu haben, wo jeder ernst genommen wird mit seiner Persönlichkeit und seinen Erfahrungen die man gemacht hat, hat mich unbeschreiblich gestützt, oder eher gesagt mir eine Basis gegeben, von der aus ich mich getraut habe, viele andere Schritte in meinem Leben zu gehen. Auch Schritte, die ich mir nicht selber aussuchen konnte. Aber dann konnte ich das öffentlich verhandeln, erst in der Gruppe beim Proben und später dann auf der Bühne. Nicht 1:1, sondern bei den Zwiefachen schauen wir immer, was ist eigentlich die weitergehende Dimension einer einzelnen Geschichte, in der man sich so befindet im Leben. Das ist ein großer Schatz, wenn man die Möglichkeit hat, das zu machen und ich glaube, deshalb konnten auch die Kinder in Theresienstadt mit den Proben und ihrer Kinderoper die Hoffnung und das Durchhaltevermögen, und einen starken Willen behalten. Denn das hat man sicherlich gebraucht in so einem Lager, um neben dem Lageralltag noch so ein Stück auf die Beine zu stellen.

Im Moment mache ich eine Erzieher-Ausbildung in Potsdam und habe sehr viel Lust, als Theaterpädagogin zu arbeiten, in diesem Bereich probiere ich mich jetzt bereits schon ein bisschen aus, in dem ich Proben von dem Jugendclub Banda Agita vom GRIPS Theater mit anleite. Das möchte ich während meiner Ausbildung dieses Jahr weitermachen, und natürlich die Zwiefachen.

David Schmidt

Mein Name ist David Schmidt und ich wurde am 05.03.1989 in Berlin geboren. Ich besuchte die 9. Grundschule am Wald in Treptow und ging zunächst auf das Archenholdt Gymnasium, machte dann jedoch 2005 meinen Realschulabschluss auf der Hans-Grade-Oberschule in Schöneweide. Bis Anfang 2011 habe ich nicht viel Nennenswertes erreicht. 2011 habe ich mich in die Therapie begeben und während dieser Zeit mit dem Theaterspielen begonnen. Durch einen Zufall, also die Bekanntschaft zwischen Uta Plate und meiner Theaterlehrerin in der Therapie, bin ich zu dem Stück "Parallelen" gegangen und wollte danach die Chance wahrnehmen, mich bei den Zwiefachen zu verwirklichen. Bei den Zwiefachen habe ich auch meine Freundin Charlene kennengelernt, mit der ich nun fast schon 3 Jahre zusammen bin. Während der Probe- und Spielzeit habe ich bei OnStage als Garderobiere gearbeitet und später dann einen Vollzeitjob bei einem Callcenter begonnen. Nach ca. einem Jahr habe ich den Entschluss gefasst noch ein letztes Mal eine Ausbildung zu beginnen, in welcher ich mich derzeit noch immer befinde. Es ist eine Ausbildung als Rechtsanwalts- und Notarfachangestellter, welche mir auch sehr viel Spaß macht. In meiner sehr geringen Freizeit gehe ich gerne mit meiner Freundin spazieren oder joggen, treffe ich mich gerne mit Freunden, gucke Filme und höre jegliche Art von Musik. Der Dreh zu unserem Stück "Brundibár" war eine unglaubliche Erfahrung, mit der ich mein Bewusstsein für dieses heikle Thema erweitern konnte. Ich habe tolle Leute getroffen und hatte viel Spaß. Alles in allem war die Zeit der Zwiefachen und des Drehs eine Zeit, die mich grundlegend ein ganzes Stück vorangebracht hat.