"Brundibár", eine Oper für Kinder

Das Mädchen Aninka und ihr kleiner Bruder Pepicek haben eine kranke Mutter, für die sie dringend Milch brauchen. Doch sie haben kein Geld. Auf dem Markt will ihnen kein Händler etwas geben  und als sie versuchen, mit Singen Geld zu verdienen, werden sie vom bösen Leierkastenmann Brundibár verscheucht, der verhindern will, dass die Konkurrenz ihm das Geschäft verdirbt. Doch mithilfe dreier Tiere – einem Spatz, einer Katze und einem Hund – die die Kinder aus der Nachbarschaft zusammentrommeln, gelingt es Aninka und Pepicek, Brundibár zu vertreiben. Als die Kinder nun erneut ihr Lied singen, kommt genügend Geld für die Milch zusammen. Brundibár hat gegen die Überzahl von Kindern und Tieren keine Chance und die Mutter ist gerettet. Die Oper endet in einem triumphalen Marsch, der an Freundschaft und Zusammenhalt appelliert.

Die Kinderoper "Brundibár" wurde 1938 von dem deutsch-tschechischen Komponisten Hans Krása (1899-1944) komponiert und 1941 heimlich in einem jüdischen Waisenhaus in Prag uraufgeführt. Nach seiner Deportation in das Konzentrationslager Theresienstadt 1942 notierte Hans Krása die Oper noch einmal aus dem Gedächtnis. In Theresienstadt wurde "Brundibár" 55 Mal aufgeführt. Sie machte aus den teilnehmenden Kindern stolze Darsteller und gab dem Gefangenen für einen Moment ein Stück Normalität und Freude.

Die Nazis, die Theresienstadt als Muster-Konzentrationslager vermarkteten, nutzten die Oper für ihre Zwecke. Eine Delegation des Roten Kreuzes, die im Juni 1944 das Lager besuchten, wurde damit eine "heile Welt" vorgespielt. Ausschnitte aus Aufführungen von "Brundibár" wurden in dem Propagandafilm "Der Führer schenkt den Juden eine Stadt" und in der Wochenschau gezeigt.

Viele der Kinderdarsteller wussten, dass sie nach jeder Vorstellung sterben konnten, da die Deportationen weitergingen. Das für etwa 2½ Jahre gewährte Kulturleben in Theresienstadt kam mit dem Beginn der Herbsttransporte nach Auschwitz am 28. September 1944 zum Erliegen. In dem Transport am 16. Oktober 1944 befanden sich der Komponist Hans Krása und 192 Kinder, die nahezu alle bei "Brundibár" mitgewirkt hatten. Danach ist die Oper in Theresienstadt nicht mehr aufgeführt worden.

16.10. 1944 – 16.10.2014: 70. Jahrestag des Aufführungsendes von "Brundibár" im Konzentrationslager Theresienstadt

Die Aufführung der Oper „Brundibár“ in Theresienstadt ist untrennbar mit dem Namen Greta Klingsberg verbunden. Sie wurde mit 13 Jahren zusammen mit ihrer Schwester Trude in das Lager deportiert und sang die weibliche Hauptrolle der Aninka in nahezu allen 55 Aufführungen von 1942-1944.

Doch mit dem Beginn der Herbsttransporte nach Auschwitz ab Ende September 1944 kam das Kulturleben in Theresienstadt zum Erliegen und auch die Oper „Brundibár“ hatte für die Nazis ihren Propagandazweck erfüllt.

Am 16. Oktober 2014 jährt sich zum 70. Mal das Ende der Aufführungen von "Brundibar" in Theresienstadt. In dem 1.000 Personen umfassenden Transport vom 16. Oktober 1944 befanden sich neben dem Komponisten Hans Krása auch der Darsteller des Brundibár, Jan Treichlinger (1928-1944) und mit 192 Kindern nahezu alle Darsteller, die an Brundibár mitgewirkt hatten. Nach diesem Tag ist "Brundibár" im Konzentrationslager und Ghetto Theresienstadt nicht mehr aufgeführt worden.

Greta Klingsberg gilt als einzige Überlebende.